2.8 Speierling

SpeierlingDer Speierling
(Sorbus domestica L.)

Seltene Wildobstbaumart im Europäischen Schutzgebiet Eschweiler Tal

Naturgemäße Waldwirtschaft

Der Stadtwald Bad Münstereifel wird auf der Grundlage eines Ratsbeschlusses naturgemäß bewirtschaftet. Das bedeutet, dass wir anknüpfend an einen bundesweiten Sinneswandel in der Waldbewirtschaftung ein sehr hohen Standard bei der täglichen Arbeit mit dem Wald berücksichtigen. Die Grundidee naturgemäßer Waldwirtschaft ist die ganzheitliche Betrachtung des Waldes als dauerhaftes, multifunktionales und dynamisches Ökosystem. Durch die Nutzung der im Waldökosystem ablaufenden natürlichen Prozesse wird eine Optimierung der Waldwirtschaft angestrebt. Ökologische Ziele stehen im Eschweiler Tal klar im Vordergrund. Seltene Waldgesellschaften sollen vermehrt werden, Nadelholzbestände sollen mittelfristig in standortsgerechte Bestockungen umgewandelt werden, thermophile Säume sollen gefördert werden und Kalkmagerrasen sollen entwickelt und ausgeweitet werden…

Baustein Artenschutz Ein Baustein der Naturgemäßen Waldwirtschaft ist der Artenschutz. Vermutlich auf Römische Ursprünge zurückzuführen ist das Restvorkommen von ca. 80, vom Aussterben bedrohter Alt-Speierlinge an den Südhängen des Eschweiler Tales im Europäischen Schutzgebiet “Kalkkuppenlandschaft Eschweiler Tal und angrenzende Waldflächen”.
Revier Nord Alljährlich wird das Blühverhalten der Speierlinge beobachtet, um bei einer zu erwartenden Mast die Früchte durch Einsammeln zu Ernten. Größere Mengen werden regelmäßig an die Löbf abgegeben. In der Revierförsterei erfolgt regelmäßig die Anzucht von Sämlingen nach dem gängigen Verfahren.
Früchte 10/2003 Speierling
Früchte 10/2004 Speierling Speierling
Vorbereitung SpeierlingVor der Stratifikation wird das Fruchtfleisch von den Spelzen befreit. Danach werden die Samenkörner in einem Sand/Torf-Gemisch 2,5 Monate vor dem gewünschten Keimungstermin, bei konstant 7°C stratifiziert. Nach dem die ersten Sonnenstrahlen das Saatgut erwärmt haben dauert es ca. 1 Woche, bis die Primärblätter durch die Erde brechen. Die Ausfallquote lag 2003 und 2004 bei jeweils ca. > 60%. Im Jahr 2005 konnte auf Grund einer fast totalen Fehlmast kein Saatgut geerntet werden.
SpeierlingNach der Ausbildung von Sekundär-Blättern werden die aufgelaufenen Sämlinge in Jiffy-Pötte verpflanzt. Die durch die Pötte wachsenden Wurzeln trocknen ein, woraufhin der Sämling mit der Bildung von käftigen Herzwurzeln reagiert. Es werden sowohl Sämlinge als auch mehrjährig verschulte Pflanzen in den Wald verpflanzt. Vornemlich in sehr licht gestellte Partien in Vergesellschaftung mit Trauben-Eiche, Rot-Buche, Feld-Ahorn, Trauben-Kirsche, Hainbuche, Mehlbeere und Elsbeere. Die konkurrenzschwachen Speierlinge werden dauerhaft markiert und regelmäßig begünstigt. Neben dem Einzelschutz oder dem Minigatter (Fege- u. Verbissschutz) kommt dem Schutz vor Mäusefraß eine zentrale Bedeutung zu. Hier hat sich das Einstreichen mit Fegol und das Auslegen von Arrex-Ködern bewährt. Gegen Hasen und Kaninchen wirkt Fegol nach den Erfahrungen im Revier ebenfalls repellent.
Sämling
im Wald
2005

Sämling
im Kamp
2005

Sämling Sämling
Baum-Partner Im Pflanzkamp der Revierförsterei stehen nach guter Mast und einem erfolgreichen Auflaufen der Sämlinge, Jung-Speierlinge zur Übernahme einer Baumpatenschaft bereit. Wenden Sie sich bitte hierzu direkt an Revierförster Seifert.
1-jährig verschulte Pflanzen im Kamp 2005 verschulte Pflanzen im Kamp