2.7 Borkenkäfer

Borkenkäfer im Stadtwald

BorkenkäferBorkenkäfer

Die Borkenkäfer sind im naturnah bewirtschafteten Stadtwald ein natürlicher Bestandteil der Lebensgemeinschaft Wald. Unter “normalen” Witterungsverhältnissen dienen sie im “Eisernen Bestand” u.a. vielen Vogelarten als Nahrungsquelle und stehen im Stoffkreislauf am Anfang der natürlichen Zersetzungkette. In der Regel besiedeln sie als Sekundärschädlinge absterbende Gehölze. Durch Hitze und Trockenheit begünstigt, können sie in Zeiten von Massenvermehrungen zu Primärschädlingen werden. Bei sich abzeichnenden waldbestandes-bedrohenden Massenvermehrungen ist zum Erhalt der Wälder eine konsequente Bekämpfung geboten. Dies dient zum einen der Erhaltung der Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen und zum anderen der Sicherung einer nachhaltigen Bewirtschaftung und dem Werterhalt des Stadtwaldes.

BorkenkäferIntegrierte Waldschadensüberwachung

Um Primärschäden auf ein erträgliches Maß für den Forstbetrieb zu begrenzen wird ein intergiertes Konzept aus Vorbeugung, laufende Überwachung und gezielte Bekämpfung angewandt. Biologische Verfahren zur Schadensabwehr stehen im Fordergrund. Zudem legen wir großen Wert auf eine optimierte Logistikkette. Hierbei bleibt das geerntete Nadelholz nicht länger als 2 Wochen im Wald liegen. Die Anwendung von zugelassenen, synthetischen Forstschutzmitteln ist grundsätzlich als “ultima ratio” zu sehen.

Vorbeugung Jede Baumart stellt unterschiedliche Ansprüche an den Standort, so dass die standortsgerechte Begründung als langfristige Vorbeugung zu sehen ist.
Standort Standorte mit stauender Nässe sowie u. a. extrem exponierte Südlagen oder Böden ohne nennenswerten Feinbodenanteil sind für den Fichtenanbau nicht geeignet.
Saubere Wirtschaft Sehr wichtig ist der konsequente Brutraumentzug. Vor dem Schwärmflug der Käfer müssen alle befallenen u. absterbenden Bäume entfernt werden. Später eingeschlagene Hölzer werden im Rahmen einer perfekt organisierten Logistikkette schnell aus dem Wald abgefahren oder entrindet. Brutfähiges Material wird v.a. beim Auftreten des Kupferstechers verbrannt oder geschreddert.
Laufende Kontrollen Bei drohenden Massenvermehrungen werden die befallsdisponierten Bestände wöchentlich vom Förster kontrolliert. Im Rahmen dieses Monitorings werden u.a. folgende Befallssymptome beachtet:

  • Einbohrlöcher in der Rinde
  • Bohrmehlauswurf
  • Harztröpfchen a. d. Rinde
  • Spechtabschläge d. Rinde
  • Nadelabfall, N.-verfärbung

Neben anderen Forstinsekten stehen die Rindenborkenkäfer Buchdrucker und Kupferstecher hier im Vordergrund.

Massenvermehrungen Durch extreme Abweichungen der klimatischen Norm, z.B. durch starke Hitze und Trockenheit können die Wirtsbäume derart stark physiologisch geschwächt werden, dass eine erhebliche Steigerung der Befallsdisposition festgestellt wird. Zudem wird die Populationsentwicklung durch Hitze und Trockenheit in der Vegetationsperiode stark gefördert.
Entwicklung Die Entwicklung beginnt mit dem Einbohren in die Rinde und der Anlage einer Rammelkammer ab ca. 20°C. Von dieser gehen Fraßgänge des Mutterkäfers ab. An deren Seiten werden Eier in Nischen abgelegt. Die Larven fressen sich bis zur Puppenwiege vor, in der sie sich verpuppen. So entstehen für jede Art charakteristische Fraß- oder Brutbilder.
Buchdrucker
ca. 4-4,5mm

Großer
achtzähniger
Fichtenborkenkäfer

Ips typographus

Buchdrucker
8 Zähne am Abdomen

Fraßbild ähnelt einem aufgeschlagenen Buch, senkrechter Muttergang mit waagerecht abgehenden Fraßgängen der Larven.

Fraßbild
Fraßbild unter dicker Fichten-Rinde mit weißen Larven

Stehendbefall

Stehendbefall

Befall an stehenden Bäumen im grobrindigen Starkholzbereich der Abteilung 312 A, Revier Nord.

Kupferstecher
ca. 2mm

Pityogenes
chalcographus

Kupferstecher

Fraßbild ähnelt einem Stern. Zentral liegende Rammelkammer mit sternförmig abgehenden Muttergängen und Larvengängen.

Fraßbild
Fraßbild unter dünner Fichten-Rinde

Stehendbefall

Stehendbefall

Befall am südexponierten Bestandesrand im dünn-feinrindigen Kronenbereich der Abteilung 371, Revier Nord.